Fang & Zurücksetzen, richtig gemacht.
Einen Fisch zurückzusetzen hilft nur, wenn er abschwimmt und überlebt. Unachtsam gemacht tötet Zurücksetzen trotzdem. Das hier sind die einfachen Gewohnheiten, die einem zurückgesetzten Fisch die bestmögliche Chance geben - und die ehrlichen Fälle, in denen Zurücksetzen nicht die richtige Entscheidung ist.
🤲 Handhabung: nasse Hände, tief und zügig
- Mach die Hände nass, bevor du einen Fisch anfasst - trockene Hände und Tücher nehmen die Schleimschicht ab, die ihn vor Infektionen schützt.
- Stütz den Fisch waagerecht mit beiden Händen; halt einen großen Fisch nie senkrecht nur am Kiefer, das schädigt Wirbelsäule und Organe.
- Finger weg von den Kiemen und von den Augen. Die Kiemen sind empfindlich, und Bluten aus ihnen endet oft tödlich.
- Halt die Zeit an der Luft kurz. Ein Fisch außerhalb des Wassers hält die Luft an - denk in Sekunden, nicht in Minuten.
- Hak über dem Wasser oder über einer nassen Abhakmatte ab, damit ein entglittener Fisch sicher landet.
🪝 Den Haken lösen
- Nimm eine Arterienklemme oder Langnasenzange und führ den Haken den Weg zurück, den er gekommen ist. Widerhakenlose Haken oder angedrückte Widerhaken machen das deutlich schneller und schonender.
- Sitzt der Haken locker in der Lippe, löst ihn ein ruhiges Drehen und Schieben meist in Sekunden.
- Sitzt er tief im Schlund oder im Magen, grab nicht danach. Schneid die Schnur so dicht wie möglich am Haken ab und lass ihn stecken - viele Haken rosten heraus oder werden abgestoßen, und der Fisch hat so eine weit bessere Chance.
- Trag die Werkzeuge am Rückholer, dann sind sie immer griffbereit und der Fisch wartet nicht.
💧 Einen erschöpften Fisch erholen lassen
- Ein hart gedrillter Fisch ist erschöpft und sauerstoffarm. Lass ihn nicht einfach fallen und hoff das Beste.
- Halt ihn aufrecht mit dem Kopf in eine leichte Strömung, damit Wasser über die Kiemen läuft. In stehendem Wasser bewegst du ihn langsam vorwärts - nie vor und zurück.
- Warte, bis er das Wasser greift und mit echter Kraft gegen deine Hand schlägt.
- Lass ihn aus eigener Kraft abschwimmen. Kippt er oder treibt er auf, ist er noch nicht so weit - stütz ihn weiter.
- Warmes Wasser hält weniger Sauerstoff: Im Sommer also kurz drillen und länger erholen lassen.
🎈 Tiefes Wasser: Barotrauma und Absenkhilfen
- Fische, die schnell aus der Tiefe (etwa ab 10 m) hochgekurbelt werden, können ein Barotrauma erleiden - das Gas in der Schwimmblase dehnt sich aus, erkennbar an vorstehenden Augen, aufgeblähtem Bauch oder einem in den Rachen gedrückten Magen. Dieser Magen darf NICHT von Hand zurückgeschoben werden.
- Ein aufgeblähter, treibender Fisch stirbt an der Oberfläche. Die Lösung ist, ihn zügig wieder auf Tiefe zu bringen: Eine Absenkhilfe - eine beschwerte Lippenklemme oder ein beschwerter, umgedrehter Haken, der in der Tiefe auslöst - komprimiert den Fisch wieder und verbessert das Überleben deutlich.
- Das Anstechen der Schwimmblase mit einer Hohlnadel funktioniert in geübten Händen, geht aber leicht schief; wo eine Absenkhilfe möglich ist, ist sie das schonendere und einfachere Werkzeug. Manche Meeresfischereien schreiben eine inzwischen vor - prüf deine örtlichen Vorschriften.
- Besser noch: vorbeugen. Wenn die Fische tief stehen und zurückmüssen, fisch lieber flacher, statt Fische immer wieder durch den Druckwechsel zu heben.
- Bei tief gehakten Fischen aus der Tiefe kombinierst du beide Regeln: Schnur dicht abschneiden, dann den Fisch absenken - Tempo zählt mehr als Sauberkeit.
📷 Fotos ohne Schaden
- Kamera bereit und Bildidee fertig, bevor der Fisch aus dem Wasser kommt - dann wird es ein Zwei-Sekunden-Heben und keine Zwei-Minuten-Sitzung.
- Halt den Fisch tief und über dem Wasser oder dem Kescher, damit ein Zappeln ihn sicher zurückbringt.
- Ein oder zwei Bilder reichen. Dann zurück ins Wasser und richtig erholen lassen.
⚖️ Wann nicht zurückgesetzt wird
- 🔴 In Deutschland, Österreich und der Schweiz gilt: Einen maßigen, verwertbaren Fisch ohne vernünftigen Grund zurückzusetzen, ist nicht zulässig - Catch and Release als Selbstzweck ist hier anders geregelt als in den USA oder Großbritannien. Zurückgesetzt wird, was untermaßig ist, in der Schonzeit steht oder aus einem anderen sachlichen Grund nicht entnommen werden darf.
- Was auch immer gilt: Ein Fisch, der stark aus Kiemen oder Schlund blutet, überlebt selten. Wo die Entnahme erlaubt ist, ist das zügige, fachgerechte Töten die verantwortliche Entscheidung.
- Halt dich an die örtlichen Regeln: Mindestmaße, Entnahmefenster, Fangbegrenzungen und Schonzeiten schützen die Bestände.
- Setz invasive oder gebietsfremde Arten nicht zurück, wo das Gesetz etwas anderes verlangt - töte sie stattdessen fachgerecht.
- Wenn du einen Fisch entnimmst, töte ihn zügig und fachgerecht, statt ihn ersticken zu lassen.
🎒 Checkliste: fischfreundliche Ausrüstung
- Widerhakenlose Haken oder angedrückte Widerhaken
- Arterienklemme oder Langnasenzange am Rückholer
- Ein knotenloser, gummierter Kescher
- Eine nasse Abhakmatte für größere Fische
- Nasse Hände vor jedem Griff
- Mindestmaße, Entnahmefenster und Fangbegrenzungen geprüft
Neu bei alldem? Fang mit dem Weg zum ersten Fisch an, frisch deine Knoten auf und plan die Tour mit dem Saisonführer. Mit Kind unterwegs? Sieh in den Familien-Angelguide. Fische schonend zu behandeln gehört dazu, wenn man den Namen Angler verdienen will.